Rudolf Stodola
geboren am 18. Februar 1946 in Wien
gestorben am 5. März 2019 in Berlin

Mit Rudi verlieren wir einen hervorragenden
Musiker, Schauspieler, Kollegen und guten Freund

Wir, Freunde und Freundinnen, Kolleginnen 
und Kollegen laden ein zu einer Gedenkfeier 
am 13. April 2019 um 16.30 Uhr 
in der Ölbergkirche, 
Paul-Lincke-Ufer 29, 
10999 Berlin-Kreuzberg.

Die Beisetzung findet in aller Stille statt.

 

Nachruf von Elke Schuster

Es gab immer dieses erste Treffen zu Beginn einer Produktion.

Bei diesen Treffen werden ersten Ideen zum Stück vorgestellt. Rudi hat erste Vorschläge zur Musik, Helma erste Texte und ich oft schon ein erstes Bühnenkonzept. Wir haben gesponnen, spielerisch und ohne Druck. Wir haben uns immer auf dieses Treffen gefreut. Es machte uns Mut. Mut, den wir brauchen für unsere Projekte und Rudi war ein Ermutiger.

Rudi hat seit 1997 mit der Berliner Compagnie zusammengearbeitet. Dreizehn Inszenierungen haben wir zusammen auf die Beine gestellt. Es gab große Erfolge, Stücke, die wir über die Jahre in Hunderten von Gastspielen zeigen konnten - auch in Belgien, in Tschechien, in Polen. Stücke, die wir immer noch weiter zeigen. 2009 wurde uns, mit Rudi zusammen, der Aachener Friedenspreis überreicht. Ein weiterer, gemeinsamer Höhepunkt.

Die letzte gemeinsame Arbeit „ Die Sehnsucht nach dem Frühling“ hatte am 20. 9.18 in Bad Kreuznach Premiere. Wie immer hat Rudi eine wunderbare Musik dazu gemacht. Das Stück ist bei der Premiere mit stehenden Ovationen gefeiert worden, und wurde in der Herbst und in der Frühjahrstournee diesen Jahres mit Erfolg gespielt. Im Februar auch in Berlin. Es gehörte zu Rudis Lieblingsstücken. Am 17. 2. war er noch einmal in der Vorstellung.
Da begegneten wir uns das letzte mal.

Rudis Anteil an den Inszenierungen ist unschätzbar. Im Programmzettel steht„musikalische Einrichtung.....Rudolf Stodola“. So wollte Rudi es haben. Aber seine Mitarbeit ging weit über das Musikalische hinaus. Denn Rudi war ein „Theaterpferd“. Er wollte wissen, wohin die Inszenierung geht. Und wenn er mal nicht dabei war, rief er mich abends an. „Na Schusterin, was hast´ heut´ wieder verbrochen?“ Für viele Probleme, die während der Regiearbeit auftraten , konnte ich mit ihm zusammen eine Lösung finden, konnte bei ihm meine Selbstzweifel loswerden, auch mal über den ein oder anderen Kollegen schimpfen. Er war ein erfahrener Theatermann. Und ein zurückhaltender Mensch voller Wohlwollen. Es ging ihm vor allem um die Arbeit, die Inszenierung, die Kunst. Anderes war für ihn Nebensache: „ A geh´ scheiß di ned ei!“ 

Einmal allerdings war er richtig sauer. Wir hatten Rudi wie immer fest angeheuert, diesmal für das Stück „Anders als du glaubst“. Bei der ersten Leseprobe kam ich dann damit raus: Diesmal soll es gar keine Musik geben und auch keine Lieder. „Und was soll i dabei? Da kann i ja glei wieder haam gehn.“ Aber Rudi musste bleiben und hat eine unverzichtbare Co-Regie geleistet. Ich hoffe, er hat mir verziehen. 
Manchmal, wenn Rudi und mir die Proben ein bisschen fad wurden, haben wir uns gegenseitig Schläge angedroht. Das mag manche Kollegen irritiert haben, wir hatten einen Riesenspaß. 
Seine große Liebe galt der Musik. Ich kenne niemanden, der über eine solche Musik-Kenntnis verfügt, wie sie Rudi hatte. Er konnte wirklich aus dem Vollen schöpfen, war ein wandelndes Lexikon der Musikgeschichte, war offen für alles Zeitgenössische und hat uns mit seinen Vorschlägen immer wieder überrascht. Ich habe ihm blind vertraut, denn er dachte dramaturgisch. Es ging ihm nicht um die Musik als Selbstzweck, sondern als Unterstützung der Geschichte, die wir erzählen wollten. Auch hier die Fähigkeit, sich zurück zu nehmen. 

Bei Rudis Musikproben mit den Schauspielern habe ich immer sehr gerne  dabeigesessen, oder auch mitgemacht. Rudi war ein Lehrer. 
Ein Meisterstück war wohl auch das Arrangement und die Arbeit mit den Schauspielern am rasenden Rossini-Quintett in unserem Stück „ So Heiss gegessen wie gekocht“. 

Da unsere Inszenierungen minimalistische Bühnenbilder haben, sind Musik- und Geräuscheinspielungen umso wichtiger. Rudi war enorm kreativ und akribisch, auch was die mitunter nur sekundenlangen Einspieler angeht. 
Sie entstanden! Und so blieben sie immer ein bisschen geheimnisvoll, und brachten dann die erstaunlichsten Ergebnisse hervor. 

Unsere Premieren finden immer außerhalb Berlins statt. Leider ist Rudi in den letzten Jahren nicht mehr mitgekommen. Es wurde ihm zu anstrengend. Wie sehr habe ich ihn vermisst. Denn wer konnte besser mit mir fiebern, bei Bedarf meine Hand halten und besser die Freude über eine gelungene Aufführung teilen. Aber Rudi hat nicht versäumt, uns noch ein ToiToiToi zu simsen und auf den Anruf nach der Vorstellung zu warten. 

Rudi hat die Arbeit der Berliner Compagnie entscheidend geprägt.
Seine erste Heimat war jedoch die Theatermanufaktur, die er mit gegründet hat, und der er bis zu ihrem Ende treu geblieben ist. Ich habe ihn in unseren gemeinsamen Jahren bei der Theatermanufaktur kennen und schätzen gelernt. Die Arbeit der Berliner Compagnie unterscheidet sich in mancherlei Hinsicht denn wir haben unsere eigenen Wege finden müssen. Die gesellschaftlichen Anliegen aber teilen wir, Letztlich entscheidend war für Rudi die inhaltliche Kontinuität. 

Rudi war von Jugend an überzeugter Sozialist. Zu seinem letzten, seinem 73. Geburtstag am 18. Februar, hat er sich die sieben Bände der Stücke der Berliner Compagnie gewünscht. Wir haben uns geehrt gefühlt. Und bei einem unserer letzten Telefonate hat er seine Wertschätzung für unsere Arbeit ausgesprochen. Am Mittwoch dem 5. März sollte wieder das erste Treffen für unsere neue Produktion stattfinden. Da war Rudi in der Nacht verstorben.

Es ist wohl immer so, wenn ein geliebter Mensch stirbt, dass man unter Versäumnissen leidet. Was hätten wir tun können? Tun müssen? Haben wir Rudi allein gelassen?
Ich hatte ihm eine Kur empfohlen, sein Hausarzt hatte sie bereits beantragt. 

Da wir nicht mit ihm verwandt sind, erfahren wir nichts über seinen Tod, außer, dass er zu Hause gestorben ist. Ich wünsche so sehr, dass es ein sanfter Tod war. 

Rudi war überzeugter Atheist. Nach dem Motto: Tot ist tot.
Mein Herz will das nicht glauben.